Nach dem Getreide wurden die Kartoffeln, Futter- und Zuckerrüben geerntet. Die kleinen Kartoffeln, die nicht verkauft werden konnten, wurden zum Schweinefutter verarbeitet. Dazu kam im Oktober oder November die „Dämpfkolonne“ in den Hof gefahren. In einem großen Ofen mit langem Ofenrohr wurde mit Holz und Kohlen Wasser erhitzt, der Wasserdampf wurde mit Schläuchen in große gummibereifte mobile Behälter geleitet. Die so gedämpften Kartoffeln wurden in Silos geschüttet und mit Lehm abgedeckt. Die Silos waren meistens unterirdisch angelegt: Die Wände und der Fußboden bestanden aus Beton, der mit schwarzem Silolack bestrichen war. Auf diese Weise wurden die kleinen Kartoffeln haltbar gemacht und konnten nach und nach unter das Schweinefutter gemischt werden. Die „Dämpfkolonne“ wurde von einem einzigen Mann bedient. Gelegentlich schenkte er den Nachbarskindern „frischgedämpfte“ Kartoffeln. An den Genuss dieser Kartoffeln erinnerten sie sich oft noch nach Jahrzehnten. Die Futterrüben wurden in Kellerräumen – und wenn das nicht ausreichte – in sogenannten „Dickwurzlöchern“ direkt auf dem Feld gelagert. Sie dienten als Futter für Kühe und Schweine. Die Zuckerrübenernte war mit sehr viel Handarbeit verbunden. Die mit einem speziellen Pflug ausgegrabenen und von Blättern befreiten Rüben wurden auf einen großen Haufen auf den Acker geworfen. Für einen einzigen Tag wurde auf dem Igstadter oder Erbenheimer Bahnhof ein Waggon zum Transport in die Zuckerrübenfabrik bereitgestellt. An diesem Tag mussten sämtliche Rüben verladen werden. Meist lieh mein Vater von anderen Bauern gummibereifte Rollen oder „Kipper“ aus, die man schon einige Tage vorher beladen konnte. In Erbenheim konnte man die Rüben entweder kippen oder wenigstens nach unten werfen, weil die Verladerampe über den Waggons lag. In Igstadt dagegen musste jede einzelne Rübe mit der Gabel von der Rolle nach oben in den Waggon geworfen werden. Wir waren heilfroh, wenn wir am Abend fertig waren und es an diesem Tag nicht regnete
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Fortsetzung folgt
Ernte von Kartoffeln, Futter -und Zuckerrüben
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Zur Getreideernte

Erinnerungen von Horst Emmel zum Leben auf einem Bauernhof und zur Landwirtschaft

III.

Erinnerungen von Horst Emmel

zum Leben auf einem Bauernhof

und zur Landwirtschaft

III.

Nach dem Getreide wurden die Kartoffeln, Futter- und Zuckerrüben geerntet. Die kleinen Kartoffeln, die nicht verkauft werden konnten, wurden zum Schweinefutter verarbeitet. Dazu kam im Oktober oder November die „Dämpfkolonne“ in den Hof gefahren. In einem großen Ofen mit langem Ofenrohr wurde mit Holz und Kohlen Wasser erhitzt, der Wasser- dampf wurde mit Schläuchen in große gummibereifte mobile Behälter geleitet. Die so gedämpften Kartof- feln wurden in Silos geschüttet und mit Lehm abgedeckt. Die Silos waren meistens unterirdisch angelegt: Die Wände und der Fußboden bestanden aus Beton, der mit schwarzem Silolack bestrichen war. Auf diese Weise wurden die kleinen Kartoffeln haltbar gemacht und konnten nach und nach unter das Schweinefutter gemischt werden. Die „Dämpfkolonne“ wurde von einem einzigen Mann bedient. Gelegentlich schenkte er den Nach- barskindern „frischgedämpfte“ Kartoffeln. An den Genuss dieser Kartoffeln erinnerten sie sich oft noch nach Jahrzehnten. Die Futterrüben wurden in Kellerräumen – und wenn das nicht ausreichte – in sogenannten „Dickwurz- löchern“ direkt auf dem Feld gelagert. Sie dienten als Futter für Kühe und Schweine. Die Zuckerrübenernte war mit sehr viel Handarbeit verbunden. Die mit einem speziellen Pflug ausge- grabenen und von Blättern befreiten Rüben wurden auf einen großen Haufen auf den Acker geworfen. Für einen einzigen Tag wurde auf dem Igstadter oder Erbenheimer Bahnhof ein Waggon zum Transport in die Zuckerrübenfabrik bereitgestellt. An diesem Tag mussten sämtliche Rüben verladen werden. Meist lieh mein Vater von anderen Bauern gummibereifte Rollen oder „Kipper“ aus, die man schon einige Tage vorher beladen konnte. In Erbenheim konnte man die Rüben entweder kippen oder wenigstens nach unten werfen, weil die Verladerampe über den Waggons lag. In Igstadt dagegen musste jede einzelne Rübe mit der Gabel von der Rolle nach oben in den Waggon geworfen werden. Wir waren heilfroh, wenn wir am Abend fertig waren und es an diesem Tag nicht regnete
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